Fußball im Nordosten boomt

MSV Duisburg ist Zuschauerkrösus in den Regionalligen

Artikel vom 3. April 2025

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    Oldenburg/fs. Eine Regionalligareform muss her. So oder ähnlich lässt sich eine immer wiederkehrende Forderung auf den Punkt bringen, die seit Wochen ein Thema in den Medien ist. Dass aktuell nicht alle Regionalliga-Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen dürfen, ist für das Gros der Vereine ein Ärgernis. Vor allem in der Regionalliga Nordost regt sich der Widerstand, flankiert von beeindruckenden Zuschauerzahlen.

    Immerhin sechs der 18 Regionalligisten zwischen Greifswald und Zwickau begrüßen im Durchschnitt mehr als 5.000 Fans zu ihren Heimspielen. Aus der Regionalliga Bayern könnte man für ein derartiges Interesse neidische Blicke ernten, beim MSV Duisburg hingegen würde es bestenfalls zu einem müden Lächeln reichen. Der Tabellenführer der Regionalliga-West ist nicht nur in sportlicher Hinsicht der Krösus. Fast 16.000 Anhängerinnen und Anhänger strömen durchschnittlich zu den Heimspielen der „Zebras“, die in der vergangenen Saison noch mehr oder weniger sang- und klanglos aus der 3. Liga abgestiegen waren.

    Von Tristesse keine Spur, im Gegenteil, die Fans strömen in Massen, stärken den Meiderichern so den Rücken. Derart viele Fußballfreunde kamen letztmals zu Zweitligazeiten ins schmucke Stadion an der Wedau. Selbst in den fünf Drittligajahren hatte der MSV einen schwächeren Zuschauerschnitt. Umso erstaunlicher waren die im Winter bekannt gewordenen finanziellen Probleme des designierten Drittliga-Rückkehrers, dessen Saison erst durch eine Finanzspritze von Sponsoren durchfinanziert werden musste.

    In der ansonsten medial oft gehypten Regionalliga-West sind die Zuschauerzahlen dann eher wenig beeindruckend. Rot Weiß Oberhausen ist mit 3.665 Fans im Durchschnitt die Nummer zwei, es folgt Fortuna Köln mit 3.135 Gästen, vor dem KFC Uerdingen, der 3.000 Tickets verkauft, obwohl sportlicher Erfolg und positive Schlagzeilen hier nicht eben zuhause sind.

    Dass sportlicher Erfolg nicht zwingend für einen Zuschauerboom sorgt, muss man beim sportlich starken Aufsteiger SF Lotte erkennen. Die Sportfreunde begrüßen als Tabellendritter durchschnittlich lediglich 999 Fans. Tristesse auf den Rängen herrscht hingegen beim Mitaufsteiger SV Eintracht Hohkeppel, dessen Spiele lediglich 375 Fans sehen wollen, was einer Auslastung der Westkampfbahn von knapp sechs Prozent entspricht.

    Sportlich gilt die Regionalliga Südwest als überdurchschnittlich gut. Das mag stimmen, wirkt sich aber nicht spürbar auf das Interesse der Fans aus. Wenig überraschend führt mit den Offenbacher Kickers ein Traditionsverein die Zuschauertabelle an. Über 7.000 Fans wollen die Heimspiele der Mannschaft von Trainer Christian Neidhardt sehen. Mit deutlichem Abstand folgen die Stuttgarter Kickers, die mehr als 4.800 Fans anlocken. Deutlich weniger Gäste begrüßt der SV Eintracht Trier, der als Dritter in der Zuschauertabelle immerhin noch 3.383 Fans anlockt. Der KSV Hessen Kassel, ebenfalls ein Verein mit langer Tradition, fällt mit 2.518 Zuschauenden schon etwas ab, das mag aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Hessen lange im Tabellenkeller steckten. Auch in dieser Regionalliga gilt, dass Erfolg auch weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden kann. Die TSG Hoffenheim II begrüßt auf dem Weg in die 3. Liga zu ihren Spielen nur 485 Gäste.

    Ab in den Süden. Was für Urlauber verlockend klingen mag, gilt beim Zuschauerinteresse nur bedingt. Die von finanziellen Problemen geplagte Spielvereinigung Bayreuth heißt 2.543 Fans willkommen und ist damit hinsichtlich des Interesses die Nummer eins. Immerhin noch 2.121 Gäste sagen bei den Würzburger Kickers „servus“, während die Fußballinteressierten in Schweinfurt wohl noch nicht gemerkt haben, dass die „Schnüdel“ vor der Rückkehr in die 3. Liga stehen. Fast 1.800 Fans sind aber immer noch gut dreimal so viele, wie beim Tabellenzweiten FV Illertissen, wo sich bei den Heimspielen nur 307 Fans tummeln.

    Ein deutliches Kontrastprogramm bietet die Regionalliga Nordost. Der Hallesche FC hat den Abstieg aus der 3. Liga offenbar verkraftet und freut sich über 7.237 Gäste (Foto aus der Saison 2022/23). In Jena wird das neue Stadion von durchschnittlich 6.700 Fans besucht. Platz drei nimmt Tabellenführer Lokomotive Leipzig ein, der im renovierungsbedürftigen Bruno-Plache-Stadion gut 5.400 Fans erfreut.

    Auch beim FSV Zwickau hat der Drittliga-Abstieg keinen nachhaltigen Schaden angerichtet, was die Zuschauerzahlen betrifft. 5.219 Fußballbegeisterte bedeuten aber „nur“ Platz sechs, denn in Erfurt sind knapp 5.500 Gäste „am Ball“ und Ex-VfB-Trainer Benjamin Duda hat beim Chemnitzer FC für neuen Schwung gesorgt, was stattliche 5.400 Fans anzieht. Auch die Leipziger Nummer drei ist beliebt. Im nicht mehr ganz modernen Alfred-Kunze-Sportpark wollen 4.700 Fans die Spiele von Chemie Leipzig sehen. 2.800 Fans in Babelsberg und 2.400 beim BFC Dynamo sorgen andernorts für Neid, sind hier aber bestenfalls noch tabellarisches Mittelfeld. Schlusslicht VSG Altglienicke wird von 637 Fans unterstützt.

    Der Norden, auch in der eigenen Wahrnehmung oft unterrepräsentiert, spielt beim Zuschauerinteresse durchaus im Tabellenmittelfeld mit und kann sich, vom MSV Duisburg einmal abgesehen, locker mit dem Westen messen. Der SV Meppen würde sogar im Nordosten an der Spitze mitspielen. Selbst sportliche Dürftigkeit schreckt die Fans nicht ab. 6.183 Fans sorgen im Emsland für den Bestwert der Liga.

    Es folgt der VfB Lübeck mit 3.314 Gästen, vor dem VfB Oldenburg, den gut 2.900 Fans sehen wollen. Platz drei nimmt Aufsteiger BSV Kickers Emden mit 2.830 Fans ein und auch bei Weiche Flensburg bedeuten 1.020 Fans immerhin noch einen vierstelligen Durchschnitt. So gut wie nicht mehr wahrnehmbar ist das Interesse beim Tabellenletzten Holstein Kiel II, der 286 Fans Moin sagt, was sicherlich auch mit dem Gäste-Anhang aus Lübeck und Oldenburg zu tun haben sollte.